2. Hoplachus...

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2. Hoplachus...

Beitrag  Vitrea am Fr Nov 14, 2008 12:32 am

hoplachus stand am rande des schlachtfelds und rieb sich gedankenverloren das handgelenk. er fühlte sich alt und müde. mit leerem blick sah er auf die weite ebene, an deren anderem ende die geschundenen stadtmauern der nachbar-polis zu erkennen waren. gleichermaßen teilnahmslos sah er zu, wie die vielen schwarzen vögel, die schon seit stunden am himmel kreisten, sich auf den leblosen körpern derer niederließen, die noch vor ein paar stunden an seiner seite gekämpft oder speer und schild des feindes getragen hatten. die vögel machten keinen unterschied.



im morgengrauen, nachdem sie den beschwerlichen abstieg vom berg des orakels hinter sich hatten, waren sie aufgebrochen. noch lange hatte er an diesem tag den druck ihrer hände gespürt und an die priester denken müssen, bevor ihn das schmettern des lituus in die gegenwart zurück geholt hatte. nach norden sollte die reise gehn. dort, so sagte man, seien die länder noch dünn besiedelt, die wälder noch voller holz, die minen voller kostbaren erzes und die völker noch wild.

"im norden erfüllt sich dein schicksal"... hatte sie geantwortet, als er sie nach dem ausgang der schlacht gefragt hatte und ..."die schlacht ist näher als du glaubst"...

"was ist mein schicksal?" hatte er gefragt - "im norden liegt es... und unvergessen wirst du sein" mit diesem zusammenhanglosen gebrabbel der schwefelhexe hatte er nie etwas anfangen können, doch die priester, die ihre weissagungen deuteten, hatten ihm einen ruhmreichen sieg vorausgesagt.

"und mein sohn... was ist mit meinem sohn?"

lange hatte es gedauert, bevor sie geantwortet hatte. er hatte schon gedacht, sie habe seine frage nicht verstanden und hob gerade an, sie erneut zu stellen, als sie plötzlich von dem stein aufgesprungen war, mit zwei großen sätzen auf ihn zurannte und ihn an den schultern packte. nach fauligem schwefel hatte sie gerochen - ekelhaft - und selbst der weihrauch konnte den gestank nicht überdecken. ihre augen waren blutunterlaufen und sie war so dünn wie ein skelett. ihre haut war gelb wie der schwefel, den sie den ganzen tag einatmete und ihre lippen waren trocken und aufgesprungenen gewesen.

eine weile stand sie da, die hände fest in seine schultern gekrallt. er hatte gespürt, wie sie versuchte, sich zu konzentrieren, wie sie versuchte, ihm etwas zu sagen. dann ließ sie ihn los und sackte zusammen. er hatte sie aufgefangen, bevor sie zu boden gefallen war. "was ist mit meinem sohn, weib!!!" hatte er sie angeherrscht und sie geschüttelt.



die priester waren aufgeregt um sie herum gelaufen und hatten geschrien und protestiert. niemand habe das recht, die weissagungen des orakels ohne ihre mittlung zu empfangen. allein sie könnten die worte des orakels in den richtigen zusammenhang bringen... sie müsse zurück zum stein und den schwefel der weisheit einatmen... dann hatten sie versucht, die frau auf den stein zurück zu zerren. er hatte sein kopís gezogen und sie daran gehindert.

"SAGE MIR WEIB, WAS IST MIT MEINEM SOHN?"

als sie schließlich sprach, klang ihre stimme rauh. doch waren ihre augen klar und ihren blick hatte sie in die ferne gerichtet.

"im norden wirst du ihn verlieren" sagte sie und die priester heulten auf.
"so wird er sterben?" hatte er entsetzt gefragt.
"im norden wirst du ihn verlieren... und doch..." ihre augen hatten sich geweitet, als ob sie etwas unheimliches sah...
"und was?" hatte er sie angeschrien.
"...und doch vermag er es, dem tod zu wiederstehn."

dann hatte er sie losgelassen und die priester hatten sie zurück auf den stein geschleift.
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